Unser Leben mit der Leishmaniose

Erfahrungsbericht: Emma, Adam, Pablo und Titus


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November 2009 - Leider sind wir mittlerweile ebenfalls "Stammkunden" bei unserem Tierarzt geworden. Eine Herzinsuffizienz und diverse Arthrosen, bedingt durch das Alter und/oder Mangelernährung und Bewegungsarmut in den ersten Lebensjahren. Nicht schön, nicht heilbar, aber es gibt Medikamente und Wege, die uns allen noch weiterhin eine schöne Zeit geben werden bzw. es schon tun.

Kürzlich habe ich erfahren, dass mein Erfahrungsbericht der ausschlaggebende Punkt für eine Familie gewesen ist, einen LM Hund, in den sie sich verliebt hatten, zu adoptieren, trotz der negativen Berichte, auf die sie vorher gestoßen sind. Das macht einen schon etwas nachdenklich und man bekommt ein Gefühl von Verantwortung, schließlich ist diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Auf der anderen Seite ist dies ein ERFAHRUNGSBERICHT und kein Aufklärungstext.

Aktuell kann ich mich nur meinem ersten Bericht anschließen, abzüglich der Alters- und Ermüdungserscheinungen. Wir ziehen unser Ding mit dem Alopurinol, dem Futter und den Tests durch und haben in der Beziehung (LM) nicht das kleinste Problem gehabt. Nada. Nichts. Dabei leben sie auch nicht unbedingt immer stressfrei, aber ich denke, wenn ein Hund eine gewisse Grundsicherheit in seinem Leben hat und bei seinen Menschen den Ruhepol findet, kommt er auch mit kleinen und großen Veränderungen sehr gut zurecht, ohne dass der Hund gleich einen Schub bekommen muss. Ausnahmen gibt es natürlich immer, bei 4 charakterlich und von den Werten her unterschiedlichen Hunden denke ich schon, etwas verallgemeinernd sprechen zu können. Wie oben schon erwähnt, es ist ein Bericht aufgrund persönlicher Erfahrungen und die sind bei uns nun einmal gut.

Ich kenne auch Hunde, die trotz guter Aufklärung bei Ausbruch der Krankheit zurückgegeben werden, obwohl sich in der Regel bei rechtzeitigem Erkennen die Leishmaniose relativ kostengünstig und einfach bekämpfen lässt.

Ich möchte daher nicht jedem ans Herz legen, einen LM Hund zu nehmen, sondern nur denen, die notfalls auch in schlechten Zeiten zu ihrem Hund stehen, ob es nun die Leishmaniose oder HD ist, und die gut damit leben können, wenn der Hund nicht erkrankt.

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Mai 2008 - Als mich Mònica fragte, ob ich nicht einen kleinen Bericht für ihre Homepage schreiben möchte, war ich mir nicht sicher. Was sollte ich denn schreiben, es gab doch nicht viel zu erzählen, ehe mir klar wurde, dass das genau der Punkt ist.

Ja, wir haben vier Hunde mit Leishmaniose und nein, das ist kein Kriterium, um als Hund bei uns ein neues Zuhause zu bekommen. Es war immer Zufall, dass die Hunde, in die wir uns verliebt hatten, LM haben.

Wir sind eine Familie, die sehr viel unterwegs ist. Mit den Hunden, denn die gehören schließlich dazu. Ich denke, es ist ein recht normales Leben, was wir führen. Normal für uns auch, dass wir mehrmals im Jahr in andere Länder reisen. Tschechien, Kroatien, Frankreich, Spanien. Das geht natürlich nur, wenn die Hunde fit sind und unsere Hunde sind fit. Sie begleiten uns in den Urlaub, kommen mit auf Familienfeste, in die Firma und an den Baggersee. Wenn wir anderen Menschen erzählen, dass unsere Hunde alle eine Krankheit in sich tragen, ernten wir nur erstaunte und ungläubige Blicke. Eigentlich denken wir selbst auch kaum daran, man merkt es nicht, man sieht es nicht, man gibt nur jeden Tag zweimal eine Tablette.

Ehe wir unsere erste Hündin vor drei Jahren mit LM bekamen, bin ich immer wieder in den Beschreibungen der Hunde auf das Thema Mittelmeerkrankheiten gestoßen und wollte einfach mal wissen, was es damit auf sich hat. Man kann darüber tagelang im Internet lesen, viel Pro und viel Kontra, entscheiden mußte ich mich dann doch allein, wem ich mehr Glauben schenke. Geholfen hat mir dabei vor allem die Kontraseite. An Fakten konnte sie eigentlich nur aufbringen, dass viele der Adoptanten nicht oder nur ungenügend über diese Krankheiten aufgeklärt werden und dass die Schnelltests, wie sie immer wieder noch von einigen Organisationen praktiziert werden, überhaupt nicht aussagekräftig sind. Also nichts, was mit den Krankheiten ansich zu tun hat. Der Rest war reine Polemik, die sich prinzipiell gegen Hunde aus dem Ausland richtete.

Ich wußte also zum Glück schon bescheid, als wir die 300 Kilometer zu Emmas Pflegestelle fuhren, denn dort wurde uns eröffnet, dass man wohl "vergessen" hatte, uns über ihren positiven Leishmaniosetest zu informieren. Den beiden Frauen von der Pflegestelle konnte man keinen Vorwurf machen, sie waren eher so etwas wie ein Gnadenhof für alte Tiere und hatten selbst keinerlei Erfahrung mit Hunden aus dem Süden. Emma war die Erste und sie sind nur eingesprungen, weil sie nach 3 Monaten aus einer Vermittlung wieder zurückkam und es keine Pflegestelle für sie gab. Aber sie hatten da einen kleinen Handzettel durchgefaxt bekommen, auf dem die Krankheit kurz erklärt wurde. Dazu der Hinweis, dass mit einer Tablette am Tag alles im Griff wäre. Was passieren kann, wenn man sie nicht gibt, war allerdings nicht zu lesen. Wir waren schon mächtig enttäuscht, dass man versuchte, uns hier etwas zu verschaukeln und vor allem, dass man so schlecht und nur nebenbei über eine ernsthafte Erkrankung informiert wurde.

Emma

Wir haben Emma natürlich mitgenommen, aber nur, weil das Thema LM vorher schon abgehakt war.

Die anderen drei Hunde haben wir von den Tierschutzengeln bzw. von Mònica und es war plötzlich eine ganz andere Welt. Was sich viele Vereine theoretisch auf die Fahne heften - Vorkontrolle, Nachkontrolle, ein richtiger Gesundheitscheck, Aufklärung bevor man den Hund sieht, echte Hilfestellung auch nach der Adoption - hier wird es praktiziert!

Ich kann die Vereine schon verstehen, dass sie mögliche Interessenten nicht gleich wieder mit tödlich verlaufenden Krankheiten abschrecken wollen, aber das sind sie doch meist nur, wenn nicht genügend Aufklärung betrieben wird und die Adoptanten dadurch Fehler machen und sei es, dass sie zu einem falschen Tierarzt gehen.

Ehe Adam zu uns kam, hatte er einen Ausbruch der LM, eine fehlende Ohrspitze erinnert noch daran.

Adam

Pablo, unser Großer, war anfangs 'nur' Pflegehund und so bin ich auch in den "Genuß" gekommen, ihm die Glucantime zu spritzen. Ich hätte natürlich auch zweimal am Tag zu einem Tierarzt gehen können, aber das wollte ich ihm dann doch ersparen. Das erste Mal war der blanke Horror: Mir war schlecht, meine Knie wie warme Butter und mein ganzer Körper zitterte. Es war schon etwas seltsam, aber meine Hände waren völlig ruhig. Mònica hatte es mir gezeigt, mit der linken Hand im Nacken des Hundes ein Zelt bauen und dann hat man es recht einfach, die Glucantime unter die Haut zu injizieren. Es ging von Mal zu Mal besser und wurde am Ende schon fast Routine, gemocht hab ich es nie.

Pablo

Da Allopurinol wie jedes Medikament auch Nebenwirkungen hat, haben wir beschlossen, den Hunden das beste Futter zu geben, was es gibt, frisches bzw. rohes Fleisch. Es ist völlig unkompliziert, billiger als Spezialfutter und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte, weil natürlich. Es muß sich nur jemand in der Familie finden, der rohes Fleisch anfaßt. Zusammen mit dem Allopurinol haben wir es so geschafft, dass mittlerweile bei fast allen Hunden die Werte so gut sind, dass sie als vollkommen gesund gelten. Lediglich Titus mit seinem immer noch erhöhten Titer erinnert uns daran, dass wir vier kranke Hunde im Haus haben, aber auch bei ihm sind alle anderen Werte völlig in Ordnung und er zeigt keinerlei Symptome. Eine kleine Mahnung, nicht zu leichtfertig zu werden, denn merken tun wir es nicht.

Titus

Wenn wir zum Tierarzt gehen, dann wegen der halbjährlichen Untersuchung oder weil sich ein Hund den Fuß aufgeschnitten hat. Die richtig Kranken sind meist die anderen im Wartezimmer. Damit das so bleibt, gibt es eben jeden Tag die Tabletten und ein- bis zweimal im Jahr den großen Check, der bei Bedarf von den Tierschutzengeln oder Mònica zusätzlich ausgewertet wird. Man darf diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen, wie einem häufig suggeriert wird, aber mit ein wenig Verantwortungsbewußtsein kann man völlig normal noch viele Jahre mit seinem neuen Hausgenossen zusammenleben!

Wir hoffen für alle Hunde, dass sie nicht mehr zu lang warten müssen.

Alle

Emma, Adam, Pablo, Titus, Filou, Isabell (unsere Katzen) Annett und Heino Svoboda